Pippi Langstrumpf

Lachen statt Entschuldigen, Kichern statt Scham

Was steckt dahinter, dass Dein Kind „frech“ grinst, anstatt sich zu entschuldigen?

Mal angenommene, Dein Kind hat gerade so richtig Mist gebaut, ist ertappt worden oder hat etwas Peinliches getan – und anstatt Scham zu zeigen, lacht es Dich „provokativ“ an oder grinst sogar frech. Innerlich schrillen bei Dir sofort die Alarmglocken:

„Ist das Provokation? Nimmt mein Kind mich nicht ernst, hat es gar kein Schamgefühl?!“

Ich verstehe das nur zu gut! Doch dieses Verhalten ist fast nie böse gemeint. Es ist oft genau das Gegenteil von dem, wie es aussieht und ein Zeichen von tief sitzender Scham, Hilflosigkeit und ein biologischer Notfallplan.

Was steckt wirklich hinter dem Grinsen?

Wenn Dein Kind lacht oder grinst, obwohl die Situation ernst ist, ist das meist ein Ventil für starke, unangenehme Gefühle:

  • Extremes Zeichen der Verbindung: Das ist der wichtigste Punkt: Schon als Babys haben unsere Kinder gelernt, dass Lächeln eine Brücke baut. Wenn sie klein sind, ist Lächeln das Werkzeug, um mit ihren Liebsten – also mit uns – verbunden zu bleiben. In einem Moment, in dem sie merken: „Oh weh, Mama/Papa ist sauer, die Verbindung ist in Gefahr“, feuert das Gehirn instinktiv das Signal zum Lächeln ab. Es ist ein (oft verzweifelter) Versuch des Kindes, die Harmonie und die Verbindung zu Dir wiederherzustellen, wenn es sich bedroht fühlt.
  • Extreme Scham und Verlegenheit: Es fühlt sich eigentlich total bloßgestellt und schuldig. Dieses Gefühl der Scham ist so überwältigend und schmerzhaft, dass der Körper versucht, diesen inneren Druck durch Lachen zu regulieren. Es ist quasi ein „Ich weiß nicht, wohin mit mir“-Lachen.
  • Extreme Stressreaktion: Dein Kind weiß in diesem Moment absolut nicht, wie es reagieren soll. Das Lachen ist eine unwillkürliche körperliche Reaktion auf den Stress, den Dein ernster Blick oder die Situation auslösen.

Es ist also ein Hilferuf des Körpers, kein Ausdruck von Respektlosigkeit.

Deine Gelassenheit ist der Schlüssel

So gehst du wohlwollend damit um:

Wenn Du das nächste Mal dieses Lachen siehst, nimm es nicht persönlich. Atme kurz durch und wähle eine Reaktion, die dein Kind wirklich erreicht:

  1. Bleib ruhig und ernsthaft (ohne zu schimpfen): Dein Kind braucht jetzt Deine souveräne Führung, nicht Deine Wut. Wenn Du mitlachst, explodierst oder es bloßstellst, wird die Unsicherheit nur größer.
  2. Benenne das Gefühl hinter der Maske: „Ich sehe, das ist Dir jetzt gerade total peinlich.“ oder „Ich merke, Du lachst, weil Du gerade ganz schön durcheinander bist.“ Das hilft dem Kind, seine Scham einzuordnen, statt darin zu ertrinken.
  3. Warte, bis das Lachen abebbt: Es hat keinen Sinn, über eine ernste Sache zu sprechen, solange das Nervensystem noch im „Lach-Modus“ ist. Gib Deinem Kind einen Moment, sich zu fangen und reagiere nicht auf provokative Anmerkungen Deines Kindes.
  4. Biete Unterstützung an: „Ich bin für Dich da. Lass uns das gemeinsam regeln.“

Beispiel: Dein Kind hat sein Geschwisterkind gehauen und lacht, obwohl es merkst, dass es damit Tränen ausgelöst hat.

  • Statt: „Was lachst du denn so blöd? Das ist gar nicht lustig!“
  • Lieber: Ruhig hingehen, vielleicht die Hand auf die Schulter legen. „Oha, da hat Dich etwas sehr geärgert, oder? Ich sehe, das ist Dir unangenehm. Komm, wir schauen, wie wir Deine Schwester trösten können, da es ihr weh tut. Ich sehe auch, dass etwas passiert ist, was Dich sehr wütend gemacht hat. Das kannst Du mir dann gleich erzählen.“

Dieses Lachen ist kein Angriff auf Deine Autorität, sondern ein Zeichen innerer Turbulenzen. Mit Deiner ruhigen Haltung zeigst Du Deinem Kind:

„Ich sehe deine Scham. Ich bleibe mit dir verbunden, auch wenn es gerade unbequem ist.“

Das ist nicht leicht umzusetzen, aber nimmt dem ganzen die potentielle Power, probiere es gerne aus.

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