Sind Helikopter-Eltern besser als ihr Ruf?
wer von uns hat nicht schon mal den Impuls gespürt, den Spielplatz im Geiste mit Luftpolsterfolie auszulegen, die Schule notenfrei zu machen oder die „fiesen“ Freundinnen in eine andere Klasse zu wünschen?
Eltern, die sich so einsetzen möchten, werden oft als „Helikopter“ belächelt. Danke, liebe Renate Alf, für Dein lustiges Comic dazu (siehe unten). Aber heute breche ich eine Lanze für Euch: Dieses „Kreisen“ ist zuerst einmal ein Zeichen von dicker fetter Bindung und Fürsorge.
Das Gute am Helikoptern: Wissenschaftlich belegt
Studien zeigen, dass hohes elterliches Engagement (Involvement) enorme Vorteile hat. Kinder präsenter Eltern:
- fühlen sich emotional sicherer und geliebter.
- zeigen seltener riskantes Sozialverhalten.
- sind schulisch erfolgreicher, weil sie wissen: Da ist jemand, der an mich glaubt!
Angemessene Fürsorge bedeutet: Du bist präsent und verfügbar. Wenn dein Kind im Kindergarten ungerecht behandelt wird, hörst du hin. Wenn es Angst vor dem Schwimmkurs hat, nimmst du es ernst. Du bist seine emotionale Antenne – das ist kein Makel, sondern ein Geschenk.
Warum belächeln andere? Wir, die oftmals einer Elterngeneration entstammen, die noch komplett gegenteilig und eher autoritär erzogen haben, wollen gegensteuern. Es scheint dann ein zu viel des Guten. Klar, es gibt bei allem immer ein „Obacht“, wenn wir es zu gut meinen, den Kindern wenig zu trauen und kaum Grenzen setzen.
Wenn aus dem Helikopter ein Curling-Besen wird 🧹
Kritisch wird es erst, wenn wir zu Curling-Eltern werden. Wie aktuell im Olympiasport polieren wir das Eis vor dem Kind spiegelglatt, damit die „Kugel“ ohne Widerstand ins Ziel gleitet. Dabei nehmen wir unseren Kindern unbewusst die Verantwortung für das eigene Leben ab.
Erkennst Du Dich in diesen Momenten wieder?
- Vorsprechen: Die Nachbarin fragt: „Schmeckt’s?“, und Du antwortest wie aus der Pistole: „Erdbeere liebt er!“, bevor Dein Kind den Mund aufmacht.
- Der Rettungsdienst: Die vergessene Brotdose oder die Turnschuhe zum dritten Mal die Woche hinterherfahren, um Frust zu vermeiden.
- Der Butler: Dem 10-Jährigen das Brot schmieren, nur um die Unordnung in der Küche zu vermeiden.
- Der Chauffeur: „Ach, ich bring Dich schnell mit dem Auto, das ist sicherer“, statt den Bus zu erlauben.
Das Risiko: Wenn wir jedes Hindernis wegräumen, lernt das Kind nicht, die Füße zu heben. Es entwickelt keine Resilienz – jenes psychische Immunsystem, das man nur durch (kleine und große) Fehler und Frust aufbaut.
Dein Tool für mehr Gelassenheit: Die „20-Sekunden-Regel“
Du darfst Dir Sorgen machen. Aber Du darfst auch mal fröhlich zuschauen, wie Dein Kind eine (harmlose) Fehlentscheidung trifft.
Ob beim Sockenanziehen, Saftschütten, bei Liebeskummer oder einer 6 in Mathe: Wenn Dein Kind vor einer Hürde steht, zähle innerlich bis 20, bevor Du eingreifst oder RatSCHLÄGE gibst.
Beobachte genau: Sucht Dein Kind bereits selber nach einer Lösung? Flucht es? Probiert es etwas Neues? In genau diesen 20 Sekunden trainiert Dein Kind seinen „Ich-schaff-das-Muskel“. Das Funkeln in den Augen beim Erfolg ist viel mehr wert als ein fleckenfreies Shirt oder ein stressfreier Vormittag.
Alles in allem ist auch mal Curling-Verhalten kein Problem, wenn Du im Stress bist oder Du merkst, dass es Deinem Kind gerade nicht gut gelingt, selber aktiv zu werden.
Sobald es zum Dauerzustand wird und Du zu viel Energie reinbringst, darfst Du Dich fragen: Wie geht es mir damit? Es braucht am Anfang vielleicht mehr Nerven, die Kinder in die Selbstverantwortung zu bringen, aber auf lange Sicht erleichtert Ihr Euch das Leben allemal, wenn Ihr die Kinder immer mehr loslassen könnt.
Du bist wunderbar – auch wenn du mal am Rand stehst und lächelst, während dein Kind den matschigen und umständlicheren Umweg wählt.
Ich bin neugierig, wie stehst Du zu dem Schimpfen auf „Helikopter-Eltern“? Was ist Deiner Meinung nach ein guter Weg zwischen Schutzengel und Butler? Schreib mir gerne ganz unten auf der Seite in den Kommentaren.
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Ich bin Isabelle, Elterncoach, Erziehungsberaterin und 3-fach Mutter.
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