Dein Kind ist kein Algorithmus – sieh es jeden Tag neu!
Wir alle kennen es von Social Media: Algorithmen filtern, was wir sehen. Wenn wir oft über ein bestimmtes Thema scrollen oder bestimmte Inhalte liken, bekommen wir davon immer mehr reingespült. Unser Feed wird zu einer Art Echokammer – unsere Überzeugungen und Interessen werden ständig bestätigt. Das ist die sogenannte “selektive Exposition”: Unser Gehirn liebt Vertrautes und bestätigt sich gerne selbst.
Was aber, wenn dieser unsichtbare Filter nicht nur in unseren Apps, sondern auch in unserem Kopf existiert – und zwar in unserer Eltern-Kind-Beziehung?
Manchmal merken wir gar nicht, wie wir einen solchen “Filter” auf unser eigenes Kind anwenden. Vielleicht sehen wir immer nur den Sturkopf, der nicht aufräumt, den Wutzwerg, der alle tyrannisiert oder das schüchterne Kind, das sich nichts zutraut? Wir suchen unbewusst nach Informationen und Verhaltensweisen, die dieses bereits existierende Bild bestätigen, auch wenn es negativ ist. Unser Gehirn spielt uns einen Streich.
Das Problem? Dieser Filter kann unsere Weltsicht verengen – und vor allem die Sicht auf unser Kind. Wir sehen dann nicht mehr das ganze Spektrum seiner Persönlichkeit, seiner Stärken, seiner neuen Entwicklungen. Wir stecken in einer problemorientierten Schleife fest, die uns die Beziehung erschwert.
Die gute Nachricht: Wenn wir uns dieses “inneren Algorithmus” bewusst werden, können wir ihn verändern! Wir können wieder freier, gelassener und mit einer neuen Offenheit auf unser Kind zugehen. Durch unseren freieren Blick kann es sich selber von den festgefahrenen Verhaltensweisen lösen. Das habe ich in meiner Arbeit mit Eltern schon so oft beobachten können.
4 Tipps: So trittst Du aus dem “Filter-Blick” auf Dein Kind aus:
Wie können wir unseren inneren Filter neu justieren und die Vielfalt unseres Kindes wieder entdecken?
- Die “Positive-Scan-Übung”: Such bewusst nach dem Gegenteil. Wenn dein innerer Filter dir sagt: “Mein Kind ist immer so unordentlich!”, dann nimm dir jeden Tag vor, mindestens DREI Momente zu finden, in denen es nicht unordentlich war – oder sogar etwas aufgeräumt hat. Oder wenn es heißt: “Es hört nie zu!”, achte auf Momente, in denen es sehr wohl zugehört hat. Das trainiert dein Gehirn, auch andere Muster zu erkennen.
- Die “Perspektivwechsel-Frage”: Wie würde X das sehen? Überlege bei einer herausfordernden Situation: Wie würde eine wohlwollende Person (deine beste Freundin, die Großmutter, ein Coach, der Kita-Erzieher) diese Situation oder dein Kind in diesem Moment sehen? Das hilft, Abstand zu gewinnen und den eigenen Filter zu durchbrechen.
- “Ungefilterte” Zeit bewusst gestalten: Verbringe täglich 10-15 Minuten reine “Ich-seh-dich-Zeit” mit deinem Kind. Das bedeutet: Kein Erziehen, kein Bewerten, keine Aufgaben. Nur gemeinsam etwas spielen, lesen oder einfach nur da sein und beobachten, wie dein Kind agiert, wenn kein Druck da ist. Lass dich einfach überraschen und Deinem Kind die Führung, was Ihr beide macht! Ich nennen diese Zeit auch „Wackelpuddingzeit“, weil Du so flexibel wie Wackelpudding in den Händen Deines Kindes bist.
- Dein “Filter-Check” am Abend: Nimm dir vor dem Schlafengehen kurz Zeit. Warst du heute in deinem “Algorithmus” gefangen? Gab es Momente, in denen du dein Kind durch eine feste Erwartungshaltung betrachtet hast? Und gab es vielleicht auch Momente, in denen du überrascht wurdest? Dieses Bewusstwerden ist der erste Schritt zur Veränderung.
Es ist eine lohnende Aufgabe, unsere inneren Algorithmus zu hinterfragen. Denn wenn wir unser Kind wieder unvoreingenommen sehen, kann es sich viel freier entwickelt und ist nicht in festgefahrenen Rollen gefangen. Es lohnt sich und wenn nicht Du, wer kann diese Aufgabe dann besser machen als Du als die liebste und vertrauteste Person Deines Kindes?
In welchen Filtern über Dein Kind steckst Du fest?
Welche Rolle hat Dein Kind inne, welches sich lohnt aufzubrechen?
Weitere Artikel, die Dich interessieren könnten:
Großelternspagat: Zwischen Extra-Eis und Extra-Strenge – wie verhalte ich mich?
Großelternspagat: Zwischen Extra-Eis und Extra-Strenge Wie verhalte ich mich? Wie ist es bei Euch? Du holst Dein Kind von den Großeltern ab und bist hin- und hergerissen zwischen tiefer Dankbarkeit für die Unterstützung und leisem Frust? Entweder Dein Kind wurde...
AHA – endlich verstehe ich mich selbst! Ein Weg für Dich: Muttersein und authentisch bleiben
Aha - endlich verstehe ich mich selbst! Ein Weg für Dich: Muttersein und authentisch bleiben Stellt Euch vor: Es ist Mittwochmorgen, 07:15 Uhr. Die Zeit drängt, die Schuhe sind weg, und das Chaos im Flur nimmt seinen Lauf. In solchen Momenten reagieren wir oft gar...
Das schönste Kompliment, das eine Mutter bekommen kann
Das schönste Kompliment, dass eine Mutter bekommen könnte! Kennst Du das Gefühl, für Dein Kind immer nur die Strengere zu sein, die an Regeln erinnert und organisiert, während andere für die magischen, unbeschwerten Momente sorgen? Wir Mütter tragen so viel...
Ich bin Isabelle, Elterncoach, Erziehungsberaterin und 3-fach Mutter.
Ich gebe Dir Sicherheit im Umgang mit Deinem Kind.
Erfahre hier mehr über die Möglichkeiten mit mir zusammenzuarbeiten. In meinen Programmen bekommst Du viele Impulse, Perspektivwechsel und Ideen, wie Dein Alltag mit Kindern entspannter, leichter und harmonischer wird. Wir schauen auf Dein Kind und auch auf Dich, was Ihr beide braucht. Ich gebe Dir Sicherheit im Umgang mit Deinem Kind.


