Pippi Langstrumpf

Großelternspagat: Zwischen Extra-Eis und Extra-Strenge

Wie verhalte ich mich?

Wie ist es bei Euch? Du holst Dein Kind von den Großeltern ab und bist hin- und hergerissen zwischen tiefer Dankbarkeit für die Unterstützung und leisem Frust? Entweder Dein Kind wurde komplett mit Süßem überhäuft, der Fernseher lief 24/7 – oder Du spürst diesen Kloß im Magen, weil die Großeltern mit veralteter Strenge versucht haben, Dein Kind „in die Schranken zu weisen“.

Dieses Spannungsfeld ist völlig normal und kostet enorm viel Kraft. Heute möchte ich Dir einen Blickwinkel schenken, der Dir Mitgefühl für Deine (Schwieger-)Eltern gibt, Dich selbst entlastet und Dir gleichzeitig den Rücken stärkt, klare Grenzen zu setzen.

Der Blick mit Mitgefühl: Warum sie tun, was sie tun

Lass uns kurz die Perspektive wechseln: Die Großeltern-Generation ist in einer völlig anderen Zeit aufgewachsen. Damals bedeutete Erziehung oft Gehorsam, Härte und Funktionieren. Wenn sie heute sehen, wie bedürfnisorientiert und zugewandt Du Dein Kind begleitest, löst das manchmal unbewusst Verunsicherung aus („Habe ich damals alles falsch gemacht?“ „Oje, wird das Kind nicht total verzogen und kommt später nicht alleine zurecht?“).

  • Die „Verwöhner“: Sie wollen heute oft das nachholen, was sie als gestresste Eltern früher nicht konnten: pure Leichtigkeit und „Zuckerwatte im Alltag“ schenken. Großeltern müssen nicht mehr erziehen. Und das Beste: Kinder können das super unterscheiden („Bei Omi läuft es so, zu Hause so“). Das fördert sogar ihre Resilienz!
  • Die „Strengen“: Wenn sie extra streng sind, tun sie das meistens nicht aus Bosheit, sondern weil sie es nie anders gelernt haben und besorgt sind, das Kind könnte „ungezogen“ werden. Hinter fast jedem Verhalten steckt eine gute Absicht und wenn wir diese verstehen, fällt auch der Umgang damit leichter.

Wie verhalte ich mich, wenn mich etwas ärgert?

Deine Grenzen sind unverhandelbar!

Mitgefühl zu haben bedeutet jedoch keineswegs, alles schlucken zu müssen. In den meisten Fällen könnt Ihr ein Auge zudrücken, Eure Energie schonen und Euch freuen, dass die Kinder eine super Zeit mit den Großeltern haben. Es sind manchmal auch ältere Themen, die uns in dem Verhalten der eigenen Eltern stören, wenn bei Dir z.B. das alte Gefühl wieder hochkommt, dass Du hattest, als Deine Eltern damals mit Dir so gesprochen haben.

Fakt ist: Erziehung ist und bleibt Eure Kernaufgabe als Eltern. Ihr tragt die Verantwortung für das seelische und körperliche Wohl Eures Kindes. Wo also verläuft die rote Linie, an der Du klar eingreifen darfst – und musst?

  1. Bei veralteter Härte und emotionalem Druck: Sätze wie „Wenn du nicht aufisst, hat Oma dich nicht mehr lieb“ oder harte Strafen verunsichern dein Kind tief. Hier darfst Du Dich schützend vor dein Kind stellen: „Mama, ich sehe, dass Dich das ärgert, wenn nicht aufgegessen wird. Aber ich kläre das jetzt mit meiner Tochter unter uns. Bitte überlass das mir.“
  2. Bei der Untergrabung Deiner Autorität: Wenn vor dem Kind gesagt wird: „Deine Mama übertreibt mal wieder“, beschädigt das das Sicherheitsgefühl deines Kindes. Das darfst du im Vier-Augen-Gespräch sofort stoppen: „Ich weiß, Du meint es gut, aber wir erziehen heute anders. Bitte sprecht Eure Kritik direkt bei mir an, nicht vor unserem Sohn.“
  3. Bei Sicherheitsthemen: Ob Autositz, Allergien oder wichtige Absprachen – hier bestimmst du die Spielregeln. Ohne Kompromisse.

Wie Du Dein Kind im Nachgang auffängst

Sollte es doch mal zu einer strengen Situation gekommen sein, sprich danach offen mit Deinem Kind, ohne die Großeltern schlechtzumachen:

„Opa war vorhin sehr streng und laut, oder? Das hat dich erschreckt. Weißt du, Oma und Opa sind in einer Zeit aufgewachsen, da gab es ganz andere Regeln und es gibt Themen, die sind ihnen sehr wichtig, z.B. dass wir am Ruhe haben, damit wir uns unterhalten können. Auch wenn sie diese Regeln sehr laut betonen, bist Du sicher. Zu Hause bei uns gilt das, was wir besprechen.“

Die Beziehung zu den Großeltern ist ein wunderbares Geschenk – auch mit all ihren Ecken und Kanten. Indem wir ihnen mit Mitgefühl begegnen, nehmen wir den Druck raus. Und indem wir klare Grenzen setzen, beschützen wir unsere Kinder. Du darfst beides tun!

Wie läuft das bei Euch? Seid Ihr eher im Team „Zuckerwatte“ oder Team „Extra-Strenge“ unterwegs? Schreib mir super gerne eine kurze Antwort auf diese Mail – ich freue mich über Deine Rückmeldung und welche Themen Dich beschäftigen!

Isabelle

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