„Mama, Du bist doof!“ – Danke, das ist mein Job
Die Kunst des AUSHALTENS
„Mama, Du bist so doof!“ oder ein tränenreicher Wutanfall Deines Kindes im Supermarkt, weil es das Eis in diesem Moment nicht gibt. Kennst du das? In diesem Moment zieht sich in uns alles zusammen. Unser Mutter- oder Vaterherz blutet, das schlechte Gewissen klopft laut an und eine innere Stimme flüstert: „Du machst das falsch. Eine gute Mutter/ Vater würde dafür sorgen, dass ihr Kind jetzt glücklich ist.“
Als Elterncoach begegnet mir dieses Thema fast täglich. Wir leben in einer Generation von Eltern, die es unglaublich gut machen wollen (und dazu zähle ich mich auch). Wir wollen bedürfnisorientiert sein, wir wollen, dass unsere Kinder glücklich sind. Aber dabei tappen wir oft in eine gefährliche Falle: Wir verwechseln Wunscherfüllung mit Liebe und Harmonie mit gelungener Erziehung.
Heute möchte ich mit Dir über ein Wort sprechen, das unsexy klingt, aber der absolute Gamechanger für euren Familienalltag ist: AUSHALTEN.
Was bedeutet „AUSHALTEN“ im Elternsein überhaupt?
Aushalten bedeutet nicht, dass du dein Kind eiskalt ignorierst oder es mit seinen Gefühlen allein lässt. Es bedeutet auch nicht, es nicht ernst zu nehmen und Sätze wie „Ach, lass mich in Ruh“ oder „Jetzt übertreibst Du aber“. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet, dass du eine liebevolle Grenze setzt und den anschließenden Gefühlssturm deines Kindes wie ein „Fels in der Brandung“ begleitest. Hm, in der Theorie klingt das leicht, aber wie kann es gelingen?
Aushalten bedeutet konkret:
- Auszuhalten, dass Dein Kind stinksauer auf Dich ist, wenn Du den Medienkonsum beendest und ruhig bleiben kannst.
- Auszuhalten, dass Dein Kind Dich in diesem Moment „blöd“ oder „gemein“ findet und Du es nicht persönlich nimmst.
- Auszuhalten, dass Dein Kind zutiefst unglücklich ist, weil es etwas nicht bekommt und Du nicht nachgibst.
- Und vor allem: Das eigene schlechte Gewissen auszuhalten, das Dir einreden will, du seist eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater.
Warum ist dieses AUSHALTEN so verdammt wichtig?
Kinder brauchen Grenzen, um sich sicher zu orientieren. Ein Leben ohne Grenzen ist für ein Kind wie Autofahren im Nebel ohne Leitplanken – es macht Angst.
Wenn wir aber eine Grenze setzen und beim ersten Protest sofort einknicken (nur damit wieder Ruhe herrscht oder das Kind nicht weint), senden wir eine verwirrende Botschaft. Wir sagen damit unbewusst: „Ich halte Deinen Schmerz und Deine Wut nicht aus. Und weil ich es nicht aushalte, nehme ich die Grenze lieber zurück.“
Was lernen unsere Kinder daraus? Wenn wir stark bleiben und ihre Gefühle aushalten, lernen Kinder fundamentale Lebenskompetenzen:
- Frustrationstoleranz: Sie lernen, dass das Leben kein „Wunschkonzert“ ist und dass man Enttäuschungen überleben kann. Frust kommt und geht auch wieder, wenn wir dafür den Raum geben. Das macht sie resilient für die Zukunft.
- Gefühlsregulation: Indem wir ihre Wut begleiten, ohne sie wegzumachen, lernt das Kind: „Wut ist okay. Sie geht vorbei. Und Mama/Papa hat keine Angst vor meinen starken Gefühlen.“
- Verlässlichkeit: Dein Kind lernt, dass Dein „Nein“ ein liebevolles, sicheres „Nein“ ist. Es kann sich auf Dein Wort verlassen.
Indem Du das „Nein“ und den Schmerz Deines Kindes aushältst, lässt Du es innerlich wachsen. Du traust ihm zu, mit Enttäuschung umzugehen!
4 konkrete Ideen, wie Dir das AUSHALTEN besser gelingt
Theorie ist schön und gut, aber wie schaffen wir das im Alltag, wenn der Puls auf 180 ist? Hier sind vier bewährte Strategien aus meiner Praxis:
- Der „Wetter-Vergleich“ (Trenne Schmerz von Schuld)
Wenn Dein Kind weint, weil es kein Spielzeug bekommt, fühlt es echten Schmerz. Das ist okay! Erinnere Dich daran: Du bist nicht die Ursache für sein Leid, sondern Du setzt eine gesunde Grenze. Die Wut Deines Kindes ist wie ein Sommergewitter. Es muss sich entladen. Du musst das Gewitter nicht abstellen – Du musst dem Kind in diesem Sturm nur den Regenschirm halten.
- Atmen und Erden (Der 5-Sekunden-Stand)
Sobald das schlechte Gewissen oder der Stress hochkriechen, nimm drei tiefe Atemzüge. Spüre deine Füße fest auf dem Boden. Sag Dir innerlich den Satz: „Ich bin eine gute Mutter/ Vater, auch wenn mein Kind gerade unglücklich ist. Gefühle dürfen sein.“ Das holt Dich aus dem Alarmmodus Deines Gehirns.
- Empathie ohne Nachgeben
Du kannst gleichzeitig ultra-liebevoll und felsenfest sein. Hol Dir gerne mein kleines Heft „Sei Freundlich, aber bestimmt“ mit 25 hilfreichen Sätzen, wie Du in Konfliktsituationen mit Deinem Kind souverän reagieren kannst. Du musst nicht streng oder laut werden, um eine Grenze zu wahren. Sag einfach: „Ich sehe, wie unfassbar wütend Dich das macht. Du hättest so gerne noch weitergeschaut. (Ich bin hier bei Dir).“ Du nimmst den Schmerz ernst, ohne die Grenze aufzuheben.
- Das schlechte Gewissen „umparken“
Hinterfrage Dein schlechtes Gewissen. Woher kommt es? Willst Du es Deinem Kind nur recht machen, damit Du Dich nicht schlecht fühlst? Erinnere Dich daran, dass Du Deinem Kind ein unbezahlbares Geschenk für das spätere Leben machst, wenn Du ihm jetzt beibringst, mit einem „Nein“ umzugehen.
Mein Fazit für Dich
Dein Kind muss Dich nicht in jeder Sekunde des Tages lieben. Es ist nicht Deine Aufgabe, Dein Kind rund um die Uhr dauerglücklich zu machen. Deine Aufgabe ist es, dein Kind auf das echte Leben vorzubereiten – und das ist nun mal oft auch frustrierend.
Hab Mut zum „Nein“. Hab Mut, den Protest auszuhalten. Du schaffst das!
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Ich bin Isabelle, Elterncoach, Erziehungsberaterin und 3-fach Mutter.
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