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Diese Frage wird mir häufig von Eltern gestellt. Ich möchte Dir heute sowohl erklären, was bei Kindern innerlich vorgeht, wenn sie rebellieren und dass sie uns als Eltern dabei in den meisten Fällen nicht böse wollen. Außerdem zeige ich Dir, was Du in solchen Momente machen kannst. Ich erkläre Dir, wie wichtig es ist, nicht zu belehren, wenn Du selber noch wütend bist und was das mit Deinen eigenen Werten zu tun hat.

Welches sind Gründe, dass unsere Kinder uns so triggern, dass wir aus der Haut fahren könnten?

Das hat viel mit unseren eigenen Werten zu tun, die für uns wichtig sind und die sich im Laufe unseres Lebens gefestigt haben. Wenn Deine Werte u.a. Respekt und Dankbarkeit sind, kann es Dich besonders reizen, wenn Dein Kind schon über Dein Essen mäkelt, bevor es probiert hat. Neben Respektlosigkeit und Undankbarkeit kann es aber auch ein anderes Verhalten sein, was Dich auf 180 bringt. Das kann Trödeln, schlechten Benehmen in der Öffentlichkeit, Besserwisserei, Unordnung, Vorlaut-sein, Rücksichtslosigkeit, Faulheit oder Gewalt sein. Was ist es bei Dir?

Kinder haben keine böse Absicht dahinter

In den meisten Fällen hat Dein Kind Dir gegenüber keine böse Absicht in seinem Verhalten. Es benimmt sich schlicht wie ein Kind, probiert sich jeden Tag aufs Neue aus und lernt täglich dazu. Es lebt im Augenblick und versucht bei allem seine Unlust (wie unliebsames Essen) zu vermeiden und ausschließlich nach dem Lustprinzip zu leben. Dass Dein Kind dies nicht bewusst macht, um Dich persönlich zu verletzen, ist ja schon mal ganz beruhigend.

Kinder streben immer danach, mit ihren Eltern im Einklang zu sein

Auch wenn Du weißt, dass es das Hauptbestreben Deines Kindes ist, mit Dir immer in einer guten Beziehung zu sein, ist es dennoch schwierig, Dich nicht von seiner scheinbaren Provokation reizen zu lassen und weiterhin an seine gute Absicht zu glauben. Hier entsteht das größte Missverständnis in der Eltern-Kind-Kommunikation. Kinder, die sich uns querstellen, zeigen uns damit, dass in ihrer Welt etwas schief hängt. Ihr für uns störendes Verhalten sollte eher wie ein Hilferuf wahrgenommen werden, der sagt: „Du bist mein engster Vertrauter, ich brauche Dich jetzt, um da wieder rauszukommen!“ Wenn wir aber jetzt noch zusätzlich hart und abweisend reagieren, dann kommt ihre Welt erst recht ins Wanken und ihr Verhalten wird oft noch schlimmer. Auch wenn es schwer fällt, kann dies in solchen Momenten Wunder wirken: Gehe einfach einen Schritt auf Dein Kind zu.

Unser Gehirn steuert unser Verhalten

Wenn unser Körper in extremen Stress gerät, findet im Gehirn eine Reaktion statt, die unseren Verstand vorerst ausschaltet. Wir agieren dann nur noch in unseren eingefahrenen gewohnten Mustern. Hier kommt es dann in Stresssituationen zu den drei Grundreflexen unseren Stammhirns, welches auch Reptilienhirn genannt wird: Kampf, Flucht, oder Erstarrung. Kinder, deren Gehirn noch in der Entwicklung ist, lassen sich von ihren Gefühlen noch mehr leiten und geraten dadurch schneller in diesen Notfallzustand. Sie müssen noch lernen, den denkenden Teil ihres Gehirns aktiv wieder anzuschalten, um sich zu beruhigen. Wir als Erwachsene haben dies meist schon durch Erfahrungen gelernt, fallen aber auch immer wieder in diese „Ausnahmezustände“, wenn wir uns besonders provoziert fühlen. Wenn Dich dann das Gefühl des Frustes, Wut, Ärger übermannt, bist Du nicht in der Lage, Dein Kind beruhigend an die Hand zu nehmen.
Da ist es mit das Schwierigste, innerlich STOP zu sagen, bevor Du laut wirst. Es ist so wichtig, dass unser Kind merkt, dass seine Eltern ebenfalls sauer und gefrustet sein können. Indem wir ihnen aber vormachen, wie wir damit kontrolliert umgehen und ruhig bleiben, geben wir ihnen eine wichtige Botschaft mit. Wie das klappen könnte, hier entspannt und bedacht zu bleiben, sage ich Dir jetzt:

Beruhige Dich erstmal selber

  • Atme langsam ein paar Mal tief durch. Bei Stress ist Dein Puls erhöht und Du atmest automatisch schneller und gerätst leichter außer Kontrolle. Ein langsames tiefes Atmen kann gegensteuern.
  • Zähle von 10 auf 0. Das gibt Dir ähnlich wie beim Atmen Zeit, die Situation besser zu überblicken und zu überlegen, was Sinnvolles zu tun ist.
  • Wenn das nicht hilft, verlasse kurz wenn möglich die Situation mit den Sätzen „Ich brauche einen Moment, um mich zu beruhigen“, ansonsten den Blick auf etwas andere Externes werfen oder an etwas Schönes denken, um dem Gehirn eine Miniauszeit zu geben und sich nicht in den Strudel unserer Wut reinziehen zu lassen
  • Mache Dir klar, dass es keine Notsituation ist und Du nicht kämpfen, fliehen oder erstarren musst, wenn Dein Kind sich z.B. selber die Haare geschnitten hat. Dein Körper zeigt Dir nämlich etwas anderes. Neben Puls und Atmung sind Deine Hände und Füße in Stresssituationen erwärmt, da Du eigentlich in Abwehr oder Flucht gehst. Indem Du z.B. die Hände kalt abwäschst, kannst Du dem entgegenwirken und Dir klar machen, dass Haare auch wieder wachsen.
  • Du kannst Dich in einem Bruchteil einer Sekunde bewusst entscheiden, kurz bevor Du aus der Haut fährst, dies zu unterdrücken. Sich ein inneres STOP zu sagen und innezuhalten, ist hier hilfreich. Wenn nämlich alle Schreien, ist das die perfekte Eskalationsspirale.
  • Das Wichtigste ist es, dass Du NICHT handelst, wenn Du noch sauer bist. Auch wenn Du das dringende Bedürfnis verspürst, Deinem Kind direkt zu sagen, was es falsch gemacht hat. Warte, bis Du Dich und Dein Kind sich beruhigt habt. Erkläre ihm dann die Botschaft, die Du eigentlich vermitteln wolltest und die auch dann erst ankommt, wenn Ihr beide wieder klar denken könnt.

Erkenne Deine persönlichen Werte

Es lohnt sich, einmal einen Blick auf die eigenen Kernwerte zu werfen, die Dir wichtig sind und die in Deinem Handeln sichtbar werden. Denn genau dann kannst Du erkennen, warum Dich manches Verhalten mehr stört als anderes. Ich mache diese Übung in meinen Beratungen immer gleich am Anfang. Es ergeben sich dabei viele Aha-Effekte, an denen das eigene Verhalten besser reflektiert werden kann. Es ist außerdem spannend, sich in einer Beziehung die Werte des anderen anzuschauen und gemeinsam zu definieren. Welche Werte wollen wie als Familie leben und weitergeben? Sprich auch mit Deinem Kind darüber, dann kann es besser verstehen, was die Erwartungen sind.
Mache Dir eine Liste an Dingen, die Dich bei deinem Kind auf die Palme bringen. Schaue dann, was (z.B. Ehrlichkeit, Anerkennung, Dankbarkeit, Harmonie, Durchsetzungsstärke) dahinterstehen könnte. Gerne unterstütze ich Dich auch dabei, Deinen individuellen Werteleitplan zu erstellen, der Dir in der Erziehung Deines Kindes langfristig helfen wird. Kontaktiere mich gern unter kontakt@isabelle-von-abendroth.de.