Der „Klär mich auf“-Elternfahrplan für jedes Altern
Kürzlich war ich mit unseren Teenagern im Bremer Universum. Eigentlich wollten wir nur Technik, Roboter & KI bestaunen, doch plötzlich standen wir in der Sonderausstellung über die Liebe. Die Reaktion meiner Teenager? Erstmal Nase rümpfen – „Wie peinlich!“. Doch je länger wir dort waren, desto mehr entstanden richtig gute Gespräche.
Besonders gefreut hat mich, dort auf die Arbeit von Katharina von der Gathen zu stoßen. Ihr Buch „Klär mich auf“ schafft es, das Thema Sexualität so unaufgeregt und ehrlich zu verpacken, dass selbst skeptische Teenager hinhören. Sexualerziehung ist kein einmaliges Event, sondern ein lebensbegleitender Prozess.
Hier ist ein Fahrplan, wie Du Deine Kinder in den verschiedenen Phasen begleiten kannst:
3 Jahre: Entdeckung & Sicherheit
Hier legst Du das Fundament. Es geht darum, Körperteile beim Namen zu nennen und ein positives Körpergefühl zu vermitteln.
- Gesprächsidee: Nutze das Baden oder Eincremen. „Das ist Dein Bauch, das sind Deine Knie und das hier ist Deine Vulva/Dein Penis.“
- Wichtiger Impuls: Vermittle Deinem Kind: „Dein Körper gehört Dir.“ So stärkst Du es schon früh darin, eigene Grenzen wahrzunehmen.
6 Jahre: Fakten & Vielfalt
Im Grundschulalter wird die Neugier sachlich. „Wie kommt das Baby da rein – und wie wieder raus?“
- Gesprächsidee: Erkläre die Biologie (Samen- und Eizelle) ohne Scham. Du kannst fragen: „Was glaubst Du, wie groß ein Baby am Anfang im Bauch ist?“ Hier finde ich neben „Klär mich auf“ das alte, aber noch wunderbar lesbare Buch „Peter, Ida und Minimum“ von Grethe Fagerström sehr ansprechend.
- Wichtiger Impuls: Zeige auf, wie vielfältig Liebe sein kann und dass es viele verschiedene Familienmodelle gibt.
10 Jahre: Das Upgrade (Pubertät)
Bevor die körperliche Veränderung voll einschlägt, sollte Dein Kind wissen, was passiert.
- Gesprächsidee: Sprich über Hormone, Menstruation und Haare, bevor es passiert. Frage Dein Kind: „Hast Du in der Schule schon gehört, wie sich der Körper bei Jungen und Mädchen verändert?“ Der zweite Band „Klär mich weiter auf“ von Katharina von der Gathen trifft den Ton für die etwas älteren Kinder (10-12 Jahre) aus meiner Sicht wunderbar.
- Wichtiger Impuls: Gib Deinem Kind Sicherheit: „Alles, was sich verändert, ist okay.“ Auch die Sicherheit im digitalen Raum (Smartphones) ist jetzt ein Kernthema.
15 Jahre: Konsens & Werte
Jetzt sind die Fakten meist bekannt, nun geht es um Gefühle und Verantwortung.
- Gesprächsidee: Redet über das erste Mal, über Verhütung, aber vor allem über Konsens. Du könntest fragen: „Wie merkt man eigentlich, ob man bereit für etwas ist oder ob man es nur tut, weil andere es tun?“ Das Buch „Make Love: ein Aufklärungsbuch“ von Ann-Marlene Henning ist super geeignet für Teenager.
- Wichtiger Impuls: Sei ein Sparringspartner für emotionale Fragen, während Du die wachsende Privatsphäre respektierst.
Mein Impuls für heute: Warte nicht auf den perfekten Moment für „das Gespräch“. Nutzt die kleinen Gelegenheiten im Alltag. Normalisiert die Themen und die Begrifflichkeiten. Ich sehe heute noch die entsetzen Gesichter der Umstehenden in einem Nudelladen, als ein kleiner Junge rief: „Mama, hier ist Penisnudelt“. So schade eigentlich, dass wir den Jungen nicht dafür feiern, dass er diese korrekt benannt hat.
Vertraue auf die natürliche Neugier Deines Kindes: Es wird Dir durch seine Fragen genau zeigen, wie viel Wissen es gerade verarbeiten kann. Du darfst Dich ganz nach dem individuellen Tempo Deines Kindes richten. Es gibt dem Kind das Gefühl, dass es das Gespräch steuert, was das Vertrauen in Dich als Ansprechpartner enorm stärkt.
Wer heute offen antwortet, baut die Brücke, über die das Kind in der Pubertät gehen kann.
Falls Du Fragen zum Thema Aufklärung hast und wie Du mit Deinen Kindern darüber sprechen kannst, melde Dich gerne. Wie wir das Thema besprechen, hat auch viel damit zu tun, wie wir selber groß geworden sind.
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Ich bin Isabelle, Elterncoach, Erziehungsberaterin und 3-fach Mutter.
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