Pippi Langstrumpf

Täglich grüßt das Murmeltier: Der Küchentisch ist voller Krümel, die Jacke liegt auf dem Boden und im Kinderzimmer herrscht Chaos. Und schon schießt uns ein Vorwurf durch den Kopf (und manchmal auch über die Lippen): „Immer lässt du alles liegen!“ oder „Musst du immer so schlampig sein?!“

Tief durchatmen! Denn Vorwürfe führen selten zu dem gewünschten Ergebnis. Sie machen Kinder (und uns selbst!) defensiv, verletzen und blockieren die Kommunikation. Aber keine Sorge, es gibt einen Trick, der euch mehr Gelassenheit und Leichtigkeit schenkt: Die VW-Formel!

Was ist die VW-Formel?

Die VW-Formel hat nichts mit dem Volkswagen zu tun. Sie stammt aus dem Büchlein „MiniMax-Interventionen“ von Manfred Prior und hilft uns, unsere automatischen Vorwürfe in klare, positive und in die Zukunft gerichtete Wünsche zu verwandeln. Vorwurf wird Wunsch! Wir ändern nicht das Verhalten des Kindes (das kann es nur selbst), sondern unsere Art, darüber zu sprechen.

Stell Dir vor:

  • Statt „Du hast schon wieder Dein Zimmer nicht aufgeräumt!“
  • Sagst Du: „Ich wünsche mir, dass Du Deine schmutzige Wäsche in die Waschmaschine bringst und das benutzte Geschirr in die Küche.“

Der erste Satz klingt nach Angriff, der zweite nach einem Angebot zur Zusammenarbeit.

Warum die VW-Formel so gut funktioniert

    • Dein Kind fühlt sich nicht angegriffen: Ein Wunsch lässt Raum für Kooperation, ein Vorwurf führt zu Abwehr.
    • Klarheit: Ein Wunsch sagt genau, was Du brauchst, statt zu kritisieren, was falsch ist.
    • Fokus auf Lösungen: Statt auf dem Problem herumzureiten, richtet der Wunsch den Blick nach vorne.
    • Stärkt die Beziehung: Du bleibst in Verbindung mit Deinem Kind, statt eine Mauer aufzubauen.

Die Kunst ist, den alten Autopiloten zu überlisten.
Hier sind 4 Beispiele, wie Du sie konkret einsetzen kannst:

  1. Vom Chaos-Vorwurf zum Ordnungswunsch:
  • Alter Vorwurf: „Warum liegen Deine Schuhe schon wieder im Flur herum?! Ich hab Dir doch tausendmal gesagt…“
  • VW-Formel:Ich wünsche mir, dass Du deine Schuhe in den Schuhschrank stellst, damit niemand stolpert.“ (Optional, falls nichts passiert: „Wann kannst Du das machen?“)
  1. Von der Nörgelei zur Kooperations-Wunsch:
  • Alter Vorwurf: „Du nörgelst immer beim Essen. Isst Du das jetzt oder nicht?!“
  • VW-Formel: „Ich wünsche mir, dass wir beim Essen entspannt sind. Ich würde mich freuen, wenn Du das Gericht probierst oder mir sagst, was Du magst.“
  1. Von der Unachtsamkeit zum Achtsamkeits-Wunsch:
  • Alter Vorwurf: „Du bist so unvorsichtig! Jetzt hast Du schon wieder…“
  • VW-Formel: „Ich wünsche mir, dass Du beim Spielen aufpasst und die Decke nicht so rumschleuderst, damit die Dinge heil bleiben.“
  1. Von der Unzuverlässigkeit zum Verantwortungs-Wunsch:
  • Alter Vorwurf: „Du vergisst immer Deine Hausaufgaben!“
  • VW-Formel: „Ich wünsche mir, dass Du jetzt Deine Hausaufgaben machst, damit wir später entspannt Zeit haben, noch etwas gemeinsam zu spielen.“

Mein Tipp für Dich:

Übung macht den Meister! Am Anfang mag es sich ungewohnt anfühlen. Nimm Dir einen Vorwurf vor, der Dich besonders nervt, und überlege bewusst, wie Du ihn in einen Wunsch umformulieren kannst. Atme kurz durch, bevor Du sprichst. Du wirst sehen: Es braucht etwas Übung, aber die positive Wirkung auf Eure Familienatmosphäre ist es absolut wert!

Trau dich, die VW-Formel auszuprobieren und erlebe, wie sich Euer Familienalltag leichter anfühlt.

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