Kind mit Herz Website Elternblog 5 Sprachen der Liebe Isabelle von Abendroth Elternberatung, Elterncoaching, Elternworkshops

Eine gute Beziehung ist für jeden wichtig. Es betrifft nicht nur Dich und Dein Kind, sondern auch alle Menschen, die Dir nahe stehen. Heute lade ich Dich ein, nach dem Lesen dieses Artikels auf Entdeckungsreise zu gehen, was Dein Kind, wenn es gerade turbulente Zeiten durchlebt, von Dir braucht und was das mit den „5 Sprachen der Liebe“ zu tun hat. Du wirst merken, welche Impulse Du damit für Deine persönlichen Beziehungen jeglicher Art bekommst:

„Ich liebe mein Kind“

Du kannst diesen Satz, denke ich, bedingungslos unterschreiben. Aber bist Du Dir immer sicher, dass Deine ganze Liebe auch bei Deinem Kind ankommt und es diese auch so spürt? Eine provokative Fragen, aber bitte lies selbst, was ich damit meine:
Ein Buch hat mich in den letzten Jahren begleitet, weil es eine so einfache Möglichkeit erklärt, sein Kind aus einer neuen Perspektive zu beobachten. Der Inhalt gibt Aufschluss darüber, was Dein Kind in kritischen Zeiten von Dir braucht, um seinen „persönlichen Liebestank“ wieder aufzufüllen und stabil zu sein. Die zwei Autoren Gary Chapman (Eheberater) und Ross Campbell (Professor für Kinderpsychiatrie) haben in dem Buch „Die 5 Sprachen der Liebe für Kinder“ eine Einteilung in fünf verschiedene „Liebestypen“ vorgenommen, nach deren Erläuterungen wir unsere Kinder besser verstehen lernen. Das klingt vielleicht nach einer eher banalen Typisierung, ist es aus meiner Sicht aber nicht. Ihre Idee ist es, dass jeder Mensch eine ganz bestimmte „Muttersprache der Liebe“ spricht. Erst wenn Kinder sich wirklich von uns geliebt fühlen, ist auch ihr Grundbedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit erfüllt und erst dann können sie sich ausgeglichen verhalten und zu einem liebenswerten Menschen heranwachsen.

„Welche Liebessprache spricht Dein Kind?“

Ich stelle Dir jetzt diese 5 Sprachen kurz vor. Kinder sprechen mehrere dieser Sprachen, meist ist jedoch eine am ausgeprägtesten. Wenn Du merkst, dass es Deinem Kind gerade schwer fällt, lieb mit sich, mit Dir und seiner Umgebung zu sein, wenn es viel rebelliert oder es sich eher zurückzieht, dann kannst Du hier Ideen finden, mit ihm besser umzugehen:

  1. Lob und Anerkennung
    Kinder sind generell sehr empfänglich für Lob. Diese Kinder, die als primäre Sprache der Liebe „Lob und Anerkennung“ haben, sind dafür besonders empfänglich und blühen auf, wenn wir sie ermutigen. Sie sind sehr auf gesprochene Worte fokussiert. Lobende Worte lassen sie entfalten, ihr Selbstwertgefühl steigt und sie fühlen sich geborgen. Bei Beschimpfungen, Kritik, Tadel und lauten Worten reagieren sie wiederum sehr sensibel. Die Anerkennung muss allerdings authentisch und berechtigt sein, sonst spüren die Kinder es, wenn es nur hohle Floskeln sind. Diese Kinder loben selber viel, bemerken Kleinigkeiten und fordern Lob auch ein. Wenn Dein Kind dieser Liebestyp ist, warte auf die nächste Gelegenheit, es ihm zu sagen.
  2. Gemeinsame Zeit
    Diese Kinder wollen am liebsten gemeinsame ungeteilte Zeit ohne Unterbrechungen mit Dir haben. Sie lieben es, in Zweisamkeit über ihre Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen und wünschen sich ein aufmerksames Zuhören. Sie wollen von Dir spüren „Ich bin gerne bei Dir und ich fühle mich mit dir wohl“. Dann spüren sie: „Ich bin meinen Eltern wichtig“. In schwierigen Zeiten ist es diesen Kindern vor allem wichtig, Aufmerksamkeit zu bekommen, auch wenn sie negativ ist. Wenn Du diesen Kindern jeden Tag ein paar Minuten wertvolle Qualitätszeit (z.B. Beim Gute-Nacht-Sagen, Gemeinsame Tour in die Stadt, Vorlesen etc.) schenkst, wirst Du merken, was sich ändert.
  3. Geschenke
    Geschenke können ein deutliches Zeichen der Zuneigung sein. Dies müssen keine großen wertvollen Dinge sein, sondern es kann auch ein Glas Wasser, eine kleine Notiz auf einem Zettel oder eine Wiesenblume sein, solange sie mit Liebe durchdacht sind und auf keiner Gegenleistung beruhen. Das Ritual der Übergabe/ Geschenkverpackung etc. spielt hierbei eine große Rolle. Meist bedanken sich diese Kinder bei Erfolg stürmisch und können sich über Jahre hinweg erinnern, welches Geschenk von wem ist. Sie lieben es, auch selber zu schenken. Wenn dies die Sprache Deines Kindes ist, sollte sie jedoch immer in Kombination mit den anderen Sprachen gebraucht werden, da es fürs Schenken nicht so viele Gelegenheiten gibt.
  4. Hilfsbereitschaft
    Bei diesen Kindern geht es darum, ihnen zur Seite zu stehen und ihnen dort unsere Hilfe anzubieten, wo es nötig ist. Sie schätzen es besonders, wenn sie sich unserer Unterstützung sicher sind und sind generell selber hilfsbereit. Vor allem in turbulenten Zeiten lohnt es sich auf diese Kinder mit unserer Hilfe zur Selbsthilfe zuzugehen, dann geht es ihnen deutlich besser. Das bedeutet nicht, dieses Bedürfnis ständig zu bedienen, sondern vielmehr darauf zu achten, was sie brauchen und bei Bedarf begleitend zu unterstützen.
  5. Zärtlichkeit
    Diese Kinder haben ein großes Bedürfnis nach Umarmungen, Berührungen und Körperkontakt. Das kann sich durch ein Rempeln oder Raufen zeigen oder durch den Wunsch gekrault zu werden. Vielen Eltern ist es gar nicht bewusst, wieviel körperlichen Kontakt Kinder generell und auch im Teenageralter noch brauchen. Jede freundliche Berührung ist geeignet, um Liebe zu zeigen, es müssen nicht immer Umarmungen und Küsse sein, auch eine kurze Berührung am Arm ist hier bereits wertvoll. Diesen Kindern kann ein liebevolles Drücken beim Verabschieden und Heimkommen viel Kraft für den Tag geben.

Es werden Dir sicher viele der Merkmale bekannt vorkommen, da wir alle diese Sprachen mehr oder weniger stark ausgeprägt in uns haben. Die Autoren schreiben, dass ab ca. 5 Jahren eine der Sprachen prägnanter erkennbar ist, auf die Du eingehen kannst.

Ideen zum Erkunden und Loslegen:

Achte darauf, wie Dein Kind Dir und anderen gegenüber seine Liebe zeigt
Höre darauf, worum Dein Kind am häufigsten bittet
Achte darauf, worüber es sich am meisten freut
Erkunde, was sich Dein Kind am sehnlichsten wünscht
Spiele in Deiner Familie das Spiel: „Was finde ich toll an Dir?“ und höre genau zu
Frage Dein Kind „Woran merkst Du, dass ich Dich lieb habe?“
Gerade diese letzte Frage ist sehr aufschlussreich, da sie Dir direkte Rückmeldung geben kann, welcher Typ Dein Kind ist. Wenn Du tiefer einsteigen möchtest, werden in dem Buch die verschiedenen Sprachen noch ausführlicher vorgestellt und am Ende ist auch ein kleiner Test eingebunden. Außerdem macht es dank zahlreicher Beispiele Lust es auszuprobieren. Da wird bald kein Familienmitglied oder Freund mehr sicher davor sein, als „Liebestyp“ entdeckt zu werden.
Je bedingungsloser wir unsere Kinder unabhängig von ihrem Verhalten lieben, desto stabiler und gefestigter können sie heranwachsen. Ein Kind, was sich geliebt fühlt, ist auch viel bereitwilliger, mit uns zu kooperieren, auf uns einzugehen und schwierige Zeiten zu überwinden.

„Wenn ein Kind genug Liebe empfängt, wird es lernen, sie zu verschenken“  Gary Chapman