Pippi Langstrumpf

Es kommt immer wieder vor, dass wir uns in der Familie Sachen sagen, die beim anderen ganz anders ankommen. Hier ein paar Beispiele, die Euch die Gedanken Eurer Kinder übersetzen:

     Kind: „Ich will jetzt einen Film schauen.“

Eigentliche Botschaft: „Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht alles bekommen kann, wonach ich frage. Ich versuche es trotzdem immer wieder und kann mit Deinem „Nein“ leben, auch wenn es schwer fällt, wenn Du mir nicht meine Wünsche erfüllst. Halte meinen Frust aus – erst dann kann ich mit Enttäuschungen umgehen lernen.“

      Kind: „Ich hasse Dich.“

Eigentliche Botschaft: „Sei nicht fassungslos, wenn ich sage: “Ich hasse dich”. Ich hasse nicht dich, sondern deine Macht, mir nicht das zu geben oder zu erlauben, was ich will. Bezieh diese Worte nicht persönlich auf Dich. Dahinter steckt pure Verzweiflung. Ich brauche Dich jetzt.“

     Eltern: „Deshalb musst Du doch jetzt nicht weinen“

Eigentliche Botschaft: „Um mich zu beruhigen, ist es hilfreicher, wenn du versuchst, meine Ängste ernst zu nehmen und sie zu akzeptieren. Sag besser: „Es macht Dich traurig, dass…“. Sag nicht, meine Ängste seien albern. Das verletzt mich, denn sie sind erschreckend echt.“

     Eltern: „Du machst mich stinksauer“

Eigentliche Botschaft: Wenn Du mir direkt die Schuld für Deine Gefühle gibst, fühle ich mich schuldig. Damit kann ich noch nicht gut zurechtkommen. Ich denke dann, dass ich nicht liebenswert bin. Ich fühle mich dann für Deine Gemütslage verantwortlich. Sage mir lieber, was Dich genau stinksauer macht, dann kann ich das verstehen und ändern. „Ich bin stinksauer, weil ich bereits mehrfach um Hilfe gebeten habe. Ich möchte, dass Du Deine Sachen jetzt wegräumst.“

     Eltern: „Ich habe heute einen Fehler gemacht.“

Eigentliche Botschaft: „Sei authentisch und zeige mir auch Deine Gefühle, wenn Du mal traurig oder sauer wirst. Erzähl mir auch von Deinen Fehlern und wie Du sie gelöst hast. Versuch nicht immer so zu tun, als seiest du perfekt und würdest keine Fehler machen. Der Schock ist für mich zu groß, wenn ich herausfinde, dass du es nicht bist.“

     Eltern: „Ich rufe jetzt Deinen Lehrer an, der darf so nicht mit Dir umgehen.“

Eigentliche Botschaft: „Bewahre mich nicht vor den Folgen meines Tuns. Ich muss auch mal unangenehme Erfahrungen machen, daraus lernen und sie selber lösen. Bedenke, dass Dein Einmischen danach für mich Auswirkungen haben kann.“

     Eltern: „Sei nicht so unbescheiden.“

Eigentliche Botschaft: Weise mich nicht im Beisein anderer Leuten zurecht, wenn es sich vermeiden lässt. Ich kann auf Deine Worte viel besser hören, wenn du mich nicht blamierst. Besser wäre: „Kannst Du bitte die anderen fragen, wer noch ein Stück möchte.“

     Eltern: „Beim nächsten Mal darfst Du…“

Eigentliche Botschaft: „Ich nehme es sehr ernst, wenn Du mir Versprechungen machst. Aber bedenke, ob Du sie auch wirklich einhalten kannst oder Du es mir nur sagst, um der Situation zu entkommen. Ich kann mich im Stich gelassen fühlen, wenn Du Deine Versprechen immer wieder brichst, und mein Vertrauen in Dich verlieren.“

     Eltern: „Es tut mir leid.“

Eigentliche Botschaft: „Deine ehrliche Entschuldigung erweckt in mir ein inniges Gefühl der Zuneigung und Dankbarkeit. Es ermutigt mich, mich auch für mein unangebrachtes Verhalten zu entschuldigen. Aber zwinge mich bitte nicht, mich bei anderen zu entschuldigen, wenn ich in dem Moment wegen meiner Wut oder Verzweiflung noch nicht bereit dazu bin. Erst wenn sich die Wogen geglättet haben, kann ich viel besser verstehen, warum mein Verhalten nicht angebracht war.“

     Kind: „Vergiss nicht, wie schnell ich aufwachse.“

Eigentliche Botschaft: „Ich entwickele mich jeden Tag weiter, lerne jeden Tag Neues dazu und auch wenn man es mir nicht mehr so rasant wie in den ersten Monaten ansieht, wachse ich noch jeden Tag geistig und körperlich. Es ist für Dich sicher nicht immer leicht, wahrzunehmen, dass ich dieses und jenes noch nicht können kann, aber bitte versuch auch weiterhin, mit mir geduldig zu sein, denn ich lerne mit Deiner ruhigen Begleitung aus meinen Fehlern am besten.“

Du. Ich. WIR – 3.wöch. Elternpaarworkshop
14. – 28. Sept. 2022

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