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„Selbst die besten Eltern machen jeden Tag 20 Fehler, das ist völlig normal. Man muss nur dazu stehen.“ Jaspar Juul

Das ist schonmal sehr beruhigend, aber wollen wir nicht alle einem Idealbild entsprechen: dem der guten oder sogar perfekten Mutter? Wer stellt eigentlich diesen Anspruch. Ist es die Gesellschaft oder machen wir uns diesen Druck selbst? Von uns wird doch erwartet, dass wir alles im Griff haben. Kinder, Erziehung, Haushalt, Job, Privatleben… Und es hat ja auch den Anschein, dass es viele solcher Supermütter gibt. Da ist ein ständiges Grübeln doch vorprogrammiert, weil wir immer alles richtig machen möchten.

 

Aber die gute Nachricht ist, dass wir keinem Idealbild entsprechen sollen.

Du kannst nicht alles richtig machen und musst es auch nicht. Dieser Begriff „gute Mutter“ ist so belastend, denn aus meiner Sicht gibt es keine „nicht gute“ Mutter. Jeder, der Kinder hat, gibt nach bestem Willen und Gewissen sein Allerbestes. Die einzigen, die das bewerten können, sind sowieso nur die eigenen Kinder. Für sie sind wir in jedem Moment immer genau so perfekt, wie wir es machen. Je perfekter wir sind, desto unerreichbarer sind wir sogar für unser Kind. Denn mit jemandem, der perfekt ist, möchte man sich niemals messen. Je mehr wir auch angreifbar sind und Fehler machen, desto mehr können die Kinder an uns und von uns lernen, wie wir wieder gut machen und mit eigenen Schwächen umgehen.

Das soll natürlich kein Freibrief sein, ab jetzt ordentlich laut zu werden und alles schleifen zu lassen. Aber es macht uns als Eltern zu echten Menschen und keinen perfekten Robotern, die mit unseren Kindern und ihrer Erziehung immer alles richtig machen. Das gibt es nämlich nicht!

„Zu gute Mütter sind schlechter als ausreichend gute Mütter.“ (D. W. Winnicott)

Der britische Kinderpsychoanalytiker Donald W. Winnicott entdeckte in den 50er Jahren dass „zu gute Mütter“ (too good mothers) keinesfalls das sind, was Kinder brauchen. Kinder brauchen auch ein gewisses Maß an Unzufriedenheit für ihre Entwicklung, indem sie nicht überbehütet werden, also ausreichend gute Mütter (good enough), die sich nicht bei jedem Ruf (ausgenommen Babys) auf die Kinder eingehen. Die Kinder lernen dadurch auch mit all ihren Gefühlen umzugehen, dies aber in einem geschützten Raum in der Familie.

Schlechte Laune oder genervt sein gehört zu einer Beziehung zwischen Menschen genauso dazu wie wieder vertragen und Kompromisse finden. Kindern, denen nicht alles ermöglicht wird und denen nicht alles recht gemacht wird, lernen auch, sich selbst zu verstehen und dass sie sich auch selber helfen können. Winnicott findet daher, dass die „good enough mother“ der „too good mother“ vorzuziehen ist.

 

Der größte Feind der Mutter ist die perfekte Mutter neben ihr.

Ein Weg, sich selber gut zuzureden, dass ich alles richtig mache, ist es, darüber zu reden, was für eine perfekte Mutter ich bin. Und von diesen Supermüttern gibt es viele: Beim Elternabend sitzt die eine und sagt: „Hast Du Dich etwa noch nicht für 3 Schulämter eingetragen?“.  Die andere sagt: „Wieso kommst Du zu nichts? Meine Kinder halten sich ganz prima an die Regeln und unser Wochenplan funktioniert 1A.“  oder „Bei Euch gibt es Tiefkühlpizza? Wie sind ja lange schon auf Biogemüse umgestiegen, selber kochen macht den Kindern total Spaß.“ Am Spielplatz sitzt die nächste und flötet, wie sie ohne den Ausgleich durch ihren spannenden Job den ganzen Kinderkram nicht aushalten könnte. Darauf die andere „Was, Du gibst Dein Kind schon mit 1,5 Jahr in die Krippe?“

Das ist alles ein ‚Traum‘ für unser eigenes Gewissen. Das sind die Sätze, die Dich wieder zurück auf Los schicken, wenn Du eigentlich gerade entschieden hast, dass so wie Du es machst, es gut für Dich und Deine Familie ist. Doch wenn Du mal genauer hinschaust, ist es ja wieder die Unsicherheit der anderen Mutter, die da spricht, indem sie ihre eigene Wertung abgibt. Es ist ja auch total verständlich, denn schließlich hast jeder einen Ruf als gute oder perfekte Mutter zu verlieren. Also hab Mitgefühl mit diesen Kommentaren und versucht sie nicht persönlich zu nehmen, auch wenn sie schmerzlich sind.

„Es gibt keinen Weg eine perfekte Mutter zu sein, aber eine Million Möglichkeiten, eine gute zu sein“ (Jill Churchill)

Das kann helfen, wenn Du um Dich herum ständig solche Zaubermütter siehst oder vermutest: Jeder hat seine eigene Prioritätenliste: Die erfolgreiche Mutter im Job hat vielleicht eine kreative Unordnung zu Hause, die andere schafft es, sich literarisch auf dem neuesten Stand zu halten, zaubert dafür die schnelle Tiefkühl-Küche zum Mittagessen und andere backen und basteln mit Leidenschaft mit ihren Kindern, nutzen dafür aber auch gern die Ruhe, wenn regelmäßig die Lieblings-Kinderserie läuft. Es gibt sicher eine Menge Dinge, die Du weißt und schaffst, aber anderen Mütter nicht. Und ärgere Dich nicht über Mütter, die Deiner Meinung nach mehr machen. Jeder schafft das, was er kann.

Wir müssen also keine perfekten Supermütter sein, sondern einfach nur eine „good enough mother“ – und das eine Millionen Mal und die 20 Fehler am Tag dürfen wir auch nicht vergessen.