Kind mit Bauklötzen Elternblog Isabelle von Abendroth Elternberatung, Elterncoaching, Elternworkshops

Bei welchem Spiel hast Du Dein Kind das letzte Mal beobachtet? Hat es mit Lego gebaut, ist es durch die Wohnung getobt, hat es am Computer gegen Freunde gezockt oder mit seinem Messer Löcher in die Butter geschnitzt? Spieleforscher gehen davon aus, dass Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr ca. 15.000 Stunden spielen. Das sind ca. 7 – 8 Stunden pro Tag, quasi ein ganzer Arbeitstag von uns. Das Spiel ist demnach der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, seine Beobachtungen und Erlebnisse zu begreifen. Wie genau das Spielen unsere Kinder in ihrer Entwicklung fördert und wie wir dies als Eltern unterstützen können, möchte ich Dir im Folgenden erklären:

Spielen ist … ein Grundbedürfnis

Für uns Erwachsene ist Spielen meist ein unterhaltsamer Zeitvertreib. Für unsere Kinder ist es der Mittelpunkt ihres Lebens. Es ist ein Grundbedürfnis und für die kindliche Entwicklung so wichtig wie Schlafen, Essen und Trinken. In der UN-Kinderrechtskonvention ist das Recht auf Spiel sogar eindeutig verankert.

Spielen ist …. mehr als Spielerei

Es gibt eine Menge an Spielformen, die Kinder täglich ausüben: motorische Übungs- und Bewegungsspiele, Experimentier-, Beobachtungs- und Entdeckungsspiele, Konzentrations- und Geschicklichkeitsspiele, Bauspiele, Spiele mit Regeln, Rollenspiele oder Sprachspiele. Die Liste ist unendlich erweiterbar. Eigentlich findet sich in allem, was unser Kind macht, sein ganz natürlicher Spieltrieb wieder.

Sein Spiel wird nur durch offizielle Verpflichtungen wie Essen, Aufräumen, Hausaufgaben oder durch offizielle Freizeitkurse unterbrechen. Und da entstehen die meisten Reibereien zwischen Eltern und Kindern. Denn wenn sie spielen, sind sie im „Flow“. Spielen ist dann für sie in dem Moment das allerwichtigste.
Du kennst sicher Deinen Frust, wenn Du zum 100sten Mal nach seinem Kind rufst und nichts passiert? Kinder sind von Natur aus noch völlig auf sich bezogen und reagieren daher oft emotional, wenn Eltern sie unterbrechen. Sie leben im Augenblick, in der Fachsprache heißt dies Egozentrismus. Je mehr Eltern dies wissen und respektieren, desto leichter fällt es ihnen, auf die Kinder einzugehen und sie aus ihrem Augenblick zu holen. Hilfreich ist hier ein kurzer Kontaktaufbau durch Hingehen, Berühren und direkte und ruhige Ansprache. Die Kinder sind dann viel bereitwilliger, ihren Verpflichtungen nachzugehen, wenn sie sich abgeholt und ernst genommen fühlen.

Spielen ist …. Nahrung für die Entwicklung

Durch das Spiel erlangt das Kind ein positives Selbstwertgefühl, erfährt Sicherheit und damit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Es gibt vier Kompetenzbereiche, die Kinder durch viel und intensives Spielen in ihrer Entwicklung am meisten aus- und aufbauen?

Emotionaler Bereich: Erkennen, Erleben und Verarbeitung von Gefühlen, Umgehen mit Enttäuschungen und Versagen, Trainieren der Belastbarkeit und Ausdauer, Erleben von Zufriedenheit und Stolz
Sozialer Bereich: Ausbilden von Empathie und Einfühlungsvermögen, Kooperationsbereitschaft, Verantwortungsempfinden und Freundschaftspflege
Motorischer Bereich: Reaktionsvermögen, Grob- und Feinmotorik, Balance-Empfinden
Kognitiver Bereich: Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung, Wahrnehmungsoffenheit, differenzierter Wortschatz und Sprache, Fantasie, Kreativität und Logisches Denken.

Genau diese Fähigkeiten sind notwendig, ein selbständiges und selbstverantwortliches Leben zu führen. Mit all diesen Kompetenzen ist ein Mensch in der Lage, mit schwierigen Situationen kreativ umzugehen, alternative Lösungen zu finden und sich in andere Menschen reinzuversetzen. Er kennt sich selber, kennt seine Gefühle, seine Stärken und Schwächen.

Wichtig ist auch noch, dass Kinder all ihre Erlebnisse und Beobachtungen nur im freien Spiel ohne äußerliche Erwartungen und Zwänge verarbeiten können. Sie können so das reale Leben unbeobachtet und ungezwungen ausprobieren, üben und darin experimentieren. Für uns Erwachsene wäre dies sicher auch eine gute Methode, ab und zu den grauen Alltag zu verlassen und wieder aufzutanken. Nicht ohne Grund wird das Spiel auch im beruflichen Umfeld immer mehr bei Trainings eingesetzt, so etwa im Rollenspiel oder bei Teambildungsmaßnahmen.

Spielen ist … einfach gut

Spielen ist die beste Förderung für Dein Kind. Wenn es spielt, ist es hochkonzentriert, hochkreativ und dabei völlig angstfrei. Spielen und Lernen kann man gar nicht voneinander trennen. Wenn ein Kind spielt, macht es alles von ganz alleine aus Freunde, Spaß und purem Vergnügen. Es durchlebt dabei ganz von selbst 1000 Lernprozesse, wie u.a. Bewegung und Sozialverhalten. Das sind die besten Voraussetzungen dafür, dass sich ein Kind gut entwickelt: Sein Gehirn kann mit ausreichend vielfältigen Nervenbahnen eine starke Struktur bilden. Du kannst Dein Kind also spielend leicht unterstützen, indem folgende vier Punkte in Betracht ziehst:

Schaffe ausreichend Zeit und Raum zum freien Spiel. Das ist die Basis für seine gesunde Entwicklung. Auch wenn Langeweile entstehen sollte, halte sie aus, denn damit geht, wie in einem meiner vergangenen Newsletter erwähnt, ein kreativer Prozess in Gang, der den Kindern zeigt, welche Interessen und Fähigkeiten sie haben.
Stelle Deinem Kind vor allem Spielzeug und Spieleanregungen zur Verfügung, die seine Phantasie beflügeln und nicht einengen.
Zeige Interesse an seinem Spiel, das stärkt sein Selbstvertrauen und seine Kreativität
Wenn Du Zeit hast, dann spiele gemeinsam mit Deinem Kind und lass ihm die Oberhand. Dies ist nicht nur ein Moment der Freude und Zweisamkeit, Du kannst hier genau beobachten, was Dein Kind gerade beschäftigt und welche Themen es verarbeitet. Jeden Tag 10 Minuten dieser 1:1 Zeit stärkt dazu Eure Beziehung.