Kinder digital begleiten

Eine enge, liebevolle Beziehung zu seinem Kind zu haben, ist der Wunsch aller Eltern.

Doch wie klappt das?
In diesem Artikel gebe ich Dir sechs konkrete Ideen, wie Du mit Deinem Kind regelmäßig in einem engen Kontakt bleiben und Eure Beziehung stärken kannst. Probiere sie aus und Du wirst sehen, wie es sich Dir viel mehr öffnen wird. Du schaffst damit gleichzeitig eine vertrauensvolle und offene Atmosphäre.

Ich erhalten in meinen Elterncoachings immer wieder viele Fragen zu diesem Thema:

  • Warum erzählt mir mein Kind nicht viel und ich erfahre immer nur sporadisch, was es gerade beschäftigt oder was los ist?
  • Es kriselt gerade zwischen meinem Kind und mir, was kann ich tun?
  • Wie schaffe ich es, heute und auch langfristig noch einen guten Draht zu meinem Kind zu haben?

Wenn Du merkst, dass Du mit Deinem Kind gerade eine etwas schwierige Phase durchlebst, ist es hilfreich, regelmäßig bewusst einen Schritt auf Dein Kind zuzugehen. Ich weiß, dass ist nicht immer einfach, gerade wenn es sich Dir gegenüber extrem verhält. Dein Kind braucht in dieser Phase aber besonders das Gefühl, gesehen, ernst genommen und geliebt zu werden. Du als Elternteil darfst/ musst hier den ersten Schritt machen, Dein Kind folgt Dir dann.
Hier kommen nun meine sechs Lieblingstipps für den Alltag:

 

1. Ich erzähle von mir

Ich mag das Zitat von Friedrich Fröbel

„Unsere Kinder brauchen Vorbilder und Liebe und sonst nichts.“

Wenn Du möchtest, dass Dein Kind mit Dir spricht und sich mit Dir austauscht, ist es als erstes gut, ein Vorbild zu sein und von Dir selber zu erzählen. Das klingt jetzt etwas merkwürdig, aber ich meine hier vor allem, dass Du regelmäßig von Deinem Tag erzählst, was Dich beschäftigt, Dich ärgert oder freut. Berichte von Deinen Herausforderungen und wie Du sie gelöst hast. Du darfst nicht sofort die Erwartung haben, dass Dein Kind dies auch tut. Es braucht Geduld, aber die Kinder werden mit der Zeit viel offener, vor allem wenn Du dran bleibst und es nicht drängst, etwas zu berichten.

 

2. Drei schönste Dinge am Tag

Eines der wirkungsvollsten Ideen, die ich Eltern immer wieder ans Herz lege und zu der ich viel positive Rückmeldung höre, ist die Übung „Die drei schönsten Dinge am Tag“.
Frag Dein Kind abends im Bett nach diesen drei Dingen und erzählt ihm auch von Deinen drei schönsten Erlebnissen. Vielleicht fängst Du am Anfang an oder gibst ihm ein paar Ideen, was Du an Deinem Kind beobachtet hast. Es wird spannend sein, was Dein Kind erzählt. Ihr bleibt im Kontakt und Du lernst Dein Kind noch besser kennen. Zudem schafft dies einen Raum für Vertrauen, in dem sich Dein Kind auch mal über nicht so schöne Dingen öffnen kann. Dein Kind lernt sich dabei auch selber besser kennen. Der positive Rückblick macht nachhaltig glücklicher. Kurzfristig hilft es den Kindern dabei, besser in den Schlaf zu finden, denn Sie beschließen so den Tag mit einem positiven Grundgefühl. Na dann, viel Spaß dabei.

Und falls Ihr Eure Schönsten Dinge aufschreiben möchtet, findest Du hier einen Musterbogen zum Download, den Ihr abends gemeinsam ausfüllen könnt. Rückblicke auf die Woche sind immer schön.

Folgende Fragen könntest Du alternativ auch stellen:

  • Was war für Dich heute das Schönste?
  • Was hast Du beobachtet, was andere Positives gemacht haben?
  • Was hast Du dazu beigetragen?
  • Über was bist Du heute dankbar?
  • Worauf bist Du heute besonders stolz?

3. Ernst nehmen und zuhören

Ich kenne die Schwierigkeit, sich in die Themen der Kinder reinzudenken. Wenn in einer epischen Breite der Tag im Kindergarten nacherzählt oder die Details aus dem Minecraft-Spiel berichtet werden. Dann kann es schon einmal schwer fallen, zuzuhören, vor allem wenn man gerade bei einer anderen Beschäftigung ist. Ich kann Dich nur ermutigen, Dir, wenn es Deine Zeit erlaubt, immer mal bewusst kurze Zeitphasen zum Zuhören zu nehmen und Dich auch all den Themen Deines Kindes zu widmen. Es wird dann viel offener, seine Gedanken mit Dir zu teilen. Leg für diese 3-5 Minuten Dein Handy weg, alle Aufgaben bei Seite und schaue Dein Kind direkt in die Augen. Diese intensiven Momente über den Tag verteilt erfährt Dein Kind mit besonderer Aufmerksamkeit und Bedeutsamkeit. Es merkt:

Meine Mutter hört mir zu, nimmt mich ernst und interessiert sich für mich.

Das ist die Basis dafür, dass sich Dein Kind auch mal mit einem Thema an Dich wendet, das es besorgt oder das es beschämt. Und da komme ich gleich zu meinem nächsten Punkt: Bewerten.

 

4. Mehr Wahrnehmen – weniger Bewerten

Wenn Dein Kind Dich Dir verschlossen, eher ablehnend und aggressiv zeigt, ist es oft unglücklich oder hilflos. In diesen Momenten ist es umso wichtiger, dass Du Ruhe bewahrst, ihm zeigst, dass Du jederzeit da bist, es wahrnimmst. Drohen oder Bestrafen ist hier völlig unangebracht. Dein Kind möchte spüren, dass Du es liebst, auch wenn es starke Gefühle hat. Je weniger Du es in diesen Momenten mit Worten wie „Jetzt reiß Dich mal zusammen“ oder „Ach komm, das kann jetzt doch nicht so dramatisch sein“ bewertest oder mit strengen Blicken abwertest, desto offener und ehrlicher kann es sich Dir zeigen.

 

5. Liebevoller Begrüßung und Abschied von zu Hause

Investiere in die Abschieds- und Ankunftszeremonie Deines Kindes. Klar, das kommt bei manchen im Moment weniger vor als sonst. Aber wenn es wieder soweit ist, fehlen häufig die Zeit und die Geduld. Das Zuhause Deines Kindes ist ein sicherer Ort, an dem es sich wohlfühlt. Je mehr wir die Atmosphäre hier pflegen, desto lieber kommt es heim und kann sich zu Hause so verhalten, wie es sich wirklich fühlt. Für manche Kinder ist es immer wieder schwierig, diesen sicheren Ort zu verlassen, so z.B. den Abschied morgens in der Kita, aber auch wenn Dein Kind eine Klassenarbeit schreibt oder es Ärger in der Schule gibt. Jedes Kind fühlt sich bestärkt, wenn wir es liebevoll verabschieden, wir es nochmal drücken und wenn wir es herzlich begrüßen. Die Stimmung ist dann gleich eine ganz andere und die Atmosphäre zum Erzählen ist viel positiver. Ein „Schön, dass Du wieder da bist“ reicht völlig. Weitere Fragen sind dann meist nicht nötig, um Dein Kind zum Erzählen zu ermutigen.

 

6. Gefühle anerkennen & akzeptieren

Dieses Zitat des Kinderpsychologen Haim Ginott sagt so viel: „Wenn Kinder sich gut fühlen, verhalten sie sich auch gut.“
Wie können wir unseren Kindern helfen, sich gut zu fühlen? Indem wir alle ihre Gefühle akzeptieren. Indem wir uns in sie reinversetzen. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als wenn unserer Kinder im Kopf haben:

„Meine Mutter versteht mich, sie weiß, wie es mir geht und vertraut mir, dass ich mir selber helfen kann.“

Wenn wir die Gefühle unserer Kinder nicht wahrnehmen, kann dies unsere Kinder verwirren und wütend machen. Sie verstehen ihre Gefühle dann selber nicht. Je besser wir das Gefühl benennen, desto leichter kann das Kind es annehmen und wieder loswerden. Wenn Dein Kind also heute zu Dir kommen sollte und frustriert über etwas ist, dann versuche nicht, das Problem sofort zu lösen oder es auf anderem Weg abzulenken, sondern sag vielleicht etwas wie: „Du wirkst verärgert!“ „Etwas macht Dich ziemlich sauer!“ oder „Du siehst genervt aus!“ und warte dann ab, was Dir Dein Kind erwidert. Jetzt hast Du nämlich eine Chance, herauszubekommen, was wirklich dahinter steckt. Und wundere Dich nicht, wenn es dann erstmal noch schlimmer wird. Das ist ein Zeichen dafür, dass es Dich in diesem Moment als ruhigen Halt braucht. Es merkt, dass Du es mit seinem Problem siehst und das hilft auf alle Fälle und stärkt Eure Bindung.

Wenn Du mehr zu starken Gefühlen bei Kinder und wie Du damit umgehst wissen möchtest, wird Dich vielleicht auch mein meistgelesener Artikel interessieren:

„Mein Kind bringt mich auf die Palme – was kann ich tun?“ 

Hier mehr lesen…

 

3 Kommentare

  1. Hans-Christian

    So viele tolle Anregungen, 1000 Dank!! Gerade in diesen Zeiten so wichtig!

    Antworten
  2. Maike

    Hallo Isabelle, danke für die tollen Tipps. Sie haben mir wirklich geholfen. Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Artikel. Bitte mach weiter so!

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    • Isabelle von Abendroth

      Danke, liebe Maike, das freut mich!

      Antworten

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Isabelle von Abendroth - elternworkshops & coaching

Ich bin Isabelle, Elterncoach und 3-fach Mutter.

Ich mache Dir Mut, die Mutter so zu sein, die Du wirklich bist.

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